Akzeptanzstrategien in Fauna-Flora-Habitat- (FFH-) und Vogelschutzgebieten –

Exemplarische Entwicklung und Umsetzung von kooperativen Verfahren




Projektgebiet
Gebietsmeldung
Lebensräume und Arten
Problemstellung
Ziele und Maßnahmen
Akteure


Projektgebiet

Das Queichtal entspricht dem „Queichschwemmkegel“, der spitz am Haardtrand ansetzt und sich zum Rhein hin verbreitert. Im östlichen Teil sind Dünen- und Flugsanddecken aufgelagert, die als Kiefernforste oder Laubmischwälder genutzt werden. Ferner existieren in den Auen ausgedehnte Wiesengebiete, sowie Gemüsebau im Bereich von Zeiskam. Die Lößriegel stellen sich aufgrund ihrer Bodengunst als ausgeräumte und intensiv ackerbaulich genutzte Agrarlandschaft dar.

Die vorherrschende potentiell natürliche Vegetation in der Queichniederung ist der Buchen-Eichenwald (Fago-Quercetum). Die Bachniederungen stellen potentielle Wuchsorte frischer Sternmieren-Stieleichen-Hainbuchenwälder (Stellario-Carpinetum), bisweilen auch von Sumpfwäldern (Alnion-Gesellschaften) da.

Gebietsmeldung

Auf Beschluss des rheinland-pfälzischen Kabinetts vom 15. Februar 2000 ist das „Bellheimer Wald mit Queichtal“ als Teil der zweiten Tranche nach Brüssel gemeldet worden. Das Gebiet umfasst ca. 4.500 ha, davon sind ca. 70% Wald und 30% Offenland. Das Offenland wiederum setzt sich überwiegend aus verschiedenen Grünlandbiotopen zusammen, nur randlich gibt es einige Ackerflächen.

Das Vogelschutzgebiet „Offenbacher Wald, Bellheimer Wald und Queichwiesen“ hat eine Größe von ca. 5.790 ha. Es überlagert das FFH-Gebiet vollständig und erweitert es vor allem nach Osten und Westen. Die Meldung des Vogelschutzgebietes durch die Landesregierung erfolgte Anfang 2002.

Lebensräume und Arten

Lebensraumtypen und FFH-Arten im Projektgebiet Bellheimer Wald mit Queichtal (gemäß FFH-Richtlinie): 

Lebensraumtypen Anhang I

Arten Anhang II

Magere Flachland-Mähwiesen

Bechstein-Fledermaus

Feuchte Hochstaudenfluren

Kammmolch

Auewiesen (Stromtalwiesen)

Schlammpeitzger

Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwald

Schwarzblauer Bläuling

kleinflächig trockene (Heidekraut-) Heiden

Großer Feuerfalter

 

Helm-Azurjungfer

 

Hirschkäfer

Weiterhin besondere Bedeutung für das nationale Naturerbe erlangt das Gebiet durch die großräumige Ausdehnung und die hohe Anzahl von seltenen und gefährdeten Arten, wie z.B. Gottes-Gnadenkrautes, Kantenlauch, Sumpf-Platterbse, Sibirische Schwertlilie und Haarstrang-Wasserfenchel.

Aus faunistischer Sicht ist das Vorkommen des Wachtelkönigs, der seit 20 Jahren zum ersten Mal wieder in der Queichniederung gebrütet hat, bedeutsam.

Vogelarten des Vogelschutzgebietes "Offenbacher Wald, Bellheimer Wald und Queichwiesen" (gemäß Vogelschutzrichtlinie Anhang I):

Brutvögel

Zugvögel

Wachtelkönig

Graureiher

Ziegenmelker

Wendehals

Mittelspecht

Schwarzkehlchen

Wespenbussard

Wasserralle

Rotmilan

Wiedehopf

Rohrweihe

Schafstelze

Grauspecht

Gelbspötter

Schwarzspecht

Grauammer

Heidelerche

Bekassine

Neuntöter

Braunkehlchen

Eisvogel

Wiesenpieper

Blaukehlchen

 



Problemstellung

Die im Projektgebiet liegenden Gemeinden haben zum Teil bereits konkrete Pläne, was die Nutzung von verschiedenen Flächen am Rande und auch innerhalb des FFH-Gebietes angeht. Es geht u.a. um bereits bestehende Anlagen von örtlichen Sportvereinen oder um die Erweiterung von Vereinsanlagen am Ortsrand. Vor allem mit der Grenzziehung direkt an den Ortsgrenzen können sich die Gemeindevertreter deshalb nur ungern anfreunden. Die Gemeinden fühlen sich in ihrer Planungshoheit übergangen. Durch die Erholungsaktivitäten wird der Nutzungsdruck kontinuierlich steigen.

Eine ähnlich kritische und auch unsichere Haltung ist seitens der Landwirtschaft vorhanden. Konflikte werden im Bellheimer Wald mit Queichtal insbesondere bei einer Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung erwartet (Silagewiesen), bei Nutzungskonkurrenz und bei den vorhandenen Ackerflächen. Einen allgemeinen Lösungsweg gibt es nicht, da die Betriebe unterschiedlich strukturiert sind.

Von Seiten der Landesregierung und der nachgeordneten Verwaltungen gibt es noch keine konkreten Vorstellungen, wie die FFH- und Vogelschutz-Richtlinie im Detail umgesetzt werden (der Bewirtschaftungs- bzw. Managementplan ist zurzeit in Bearbeitung).

Nach wie vor herrscht ein großes Informationsdefizit bei der Bevölkerung. Es ist leider noch nicht möglich, die Schutzgebiete entsprechend auszuschildern, sodass der Nutzer der Flächen nicht über die Abgrenzung des Gebietes, den Schutzzweck und die Erhaltungsziele informiert ist.

Ziele und Maßnahmen

Im Vordergrund des Projektes steht die Umsetzung zwingend erforderlicher Naturschutzmaßnahmen in enger Zusammenarbeit von Naturschutz und Landwirtschaft. Beide Gruppen wollen die Wiesenlandschaft erhalten, auf der einen Seite wegen des Biotopwertes, auf der anderen Seite wegen des Futterwertes für das Vieh. Wegen der Konflikte sollen hier zielgerichtet strategische Kooperationen initiiert werden. Der LPV Südpfalz erarbeitet Lösungswege, die sich im Idealfall zu einem zeitlich und räumlich mosaikartig genutzten Areal ergänzen. Grundidee dieses Projektansatzes ist die These, dass es über die gemeinsame, kooperative und schrittweise Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen zu einer verstärkten Akzeptanz von Natura 2000 kommen wird.

Zur Sicherung und zur Entwicklung der Feucht- und Nasswiesen im Queichtal ist die flächendeckende Einführung der Wiesenbewässerung entsprechend den so genannten „Alten Rechten“ ein vordringliches Ziel. Durch eine verbesserte Wasserführung der Gräben werden diese in ihrer Funktion aufgewertet, gleichzeitig wird sich der Zustand der Wiesen stabilisieren und langfristig werden die Mähwiesen in ihrem Bestand gesichert. Ebenso gesichert wird die landwirtschaftliche Nutzung der Wiesen. Ein Mosaik unterschiedlicher Pflanzengesellschaften in Verbindung mit verschiedenen Mähzeitpunkten führt zur Bereitstellung von zeitlich und räumlich unterschiedlichen Lebensräumen. Davon werden vor allem Weißstorch, Wachtelkönig, Rohrweihe, Schwarzkehlchen und andere Bodenbrüter profitieren. In den jungen Brachflächen können Lebensräume für die Ameisen-Bläulinge geschaffen werden. Die Aktivierung der Wassergräben würde eine Verbesserung für die Libellen und den Schlammpeitzger darstellen, der vor kurzem im Gebiet festgestellt werden konnte. Darüber hinaus wird dadurch eine Biotopvernetzung bewerkstelligt, die allen wassergebundenen Lebewesen, vor allem aber den im Gebiet im Bestand zurückgehenden und damit gefährdeten Amphibien, zu Gute kommt.

Innerhalb der Wälder ist die Erhaltung und Entwicklung des Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwaldes von vordringlicher Bedeutung. Dort muss ausreichend Altholz verfügbar sein, damit die Bestände von Mittelspecht und Schwarzspecht erhalten werden können. Für den Ziegenmelker bedarf es eines Wechsels von lichtem Wald und Offenland mit möglichst niedrigen Biotopstrukturen, wie z.B. Heidekraut. Darüber hinaus ist auf weitere Arten mit Präferenz zu Waldlebensräumen zu achten (z.B. den in Ausbreitung befindlichen Schwarzstorch). Gemeinsam mit der Forstverwaltung werden Alternativen in der Nutzung der Wälder beschritten.

Alle Teilprojekte und Einzelmaßnahmen werden durch eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit begleitet. Möglichst viele gesellschaftliche Gruppen sollen in konkrete Aktionen eingebunden werden. Durch Informationsveranstaltungen, Vorträge und Exkursionen werden die Ziele, die mit der Umsetzung der FFH- und der Vogelschutzrichtlinie erreicht werden sollen, verdeutlicht. Dabei steht nicht die Diskussion über die Ausweisung der Gebiete im Vordergrund, sondern die Schutzziele, die zu schützenden Arten und ihre Lebensräume. Der Bezug zwischen der Flächennutzung und dem Vorkommen von besonderen Arten und ihre Lebensweise soll verdeutlicht werden. Die vorgesehene nachhaltige Nutzung der Landschaft berücksichtigt so die Interessen der Landbewirtschafter, der Naturschützer und auch die sozialen Belange, ganz im Sinne des Leitgedankens zur lokalen Agenda 21.

An ausgesuchten und stark frequentierten Stellen soll die Aufklärungsarbeit durch Informationstafeln und weitere Medien zur Naturerfahrung im Gebiet ergänzt werden. Eine gezielte Besucherlenkung sorgt dafür, dass z.B. Spazierwege oder Freizeittreffs in Randbereiche der Schutzgebiete verlagert werden. Umweltbildungsmaßnahmen spielen eine zentrale Rolle. Hier sollen vor allem Kinder und Jugendliche angesprochen werden, d.h. in Kooperation mit Kindergärten und Schulen werden den Jüngsten die Natur, Tiere und Pflanzen nahe gebracht. Aber auch im Bereich der Erwachsenenbildung sollen Veranstaltungen angeboten werden. Es werden vorhandene bauliche Einrichtungen genutzt, ansonsten finden die Veranstaltungen „unter freiem Himmel“ statt.

Akteure

Naturschutzverwaltung des Landes:
Ministerium für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz, Landesamt für Umwelt, Wasserwirtschaft und Gewerbeaufsicht, Biotopbetreuer und Berater für Vertragsnaturschutz,
Struktur und Genehmigungsdirektion Süd, SGD Süd (obere Landespflegebehörde), Untere Landespflegebehörden

Wasserwirtschaftsverwaltung des Landes: Regionalstelle für Wasser- und Abfallwirtschaft und Bodenschutz bei der SGD Süd

Agrarverwaltung des Landes: Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau sowie nachgeordnete Dienststellen

Forstverwaltung des Landes: Ministerium für Umwelt und Forsten, Forstamt Bellheim


Betroffene Kommunen:
Landkreise Germersheim und Südliche Weinstraße, Verbandsgemeinde Bellheim mit den Ortsgemeinden Bellheim, Ottersheim, Knittelsheim und Zeiskam, Verbandsgemeinde Offenbach mit den Ortsgemeinden Offenbach, Hochstadt und Bornheim, Verbandsgemeinde Lingenfeld mit den Ortsgemeinden Lingenfeld, Westheim und Lustadt

Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd


Naturschutzverbände:
GNOR (Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz), NABU Ortsgruppe Bellheim, Naturschutzverband Südpfalz


Aktion PfalzStorch

Interessengemeinschaft Queichwiesen